Tintenblau Blog

Wie in einem Bild von Canaletto.

14.04.2013
von Margarete Kowall

Ein falsch eingetragener Termin im Archäologischen Museum Carnuntinum – ich war dort schon um 10 statt um 13 Uhr – schenkte mir drei wundervolle Stunden zu meiner eigenen Verfügung.

Schloss Hof ist nicht weit weg von Deutsch Altenburg und so zog es mich an diesen Ort, den ich zuletzt als Teenager, reichlich uninteressiert, anlässlich eines so typischen Sonntagsausfluges mit meinen für mich und meine Geschwister damals deutlich zu sehr kunsthistorisch und historisch versierten und interessierten Eltern, im alten Opel Kapitän besucht hatte. Ich habe flüchtige Erinnerungen an verfallene Gemäuer und viel Kälte, und an die lange Suche nach einem Gasthaus danach. Ob es damals auch bereits eine Ausstellung gab, glaube ich nicht, jede Erinnerung daran ist jedenfalls meinem Gedächtnis entschwunden…

Diesmal war alles ganz anders:

Die Fahrt von Deutsch Altenburg stimmte mich schon auf das Jagdschloss ein, insgesamt drei (!) Hasen liefen im Abstand von ein paar Minuten nacheinander vor meinem Auto her, bevor sie sich Gott sei Dank mit einem Haken in die kleinen Wäldchen retteten.

Mit Entzücken näherte ich mich den wunderbar restaurierten Gebäuden, inmitten heuer so lange vermisster frühlingshaft blühender Natur mit Märzenbechern und Schneeglöckchen.

Auf 50 ha erstreckt sich die von Lucas v. Hildebrandt ausgebaute, umgestaltete und extrem erweiterte, mit Terrassen durchsetzte Anlage von Schloss* Meierhof und viele anderen Gebäuden inmitten der Natur.

Zunächst besuchte ich einmal die Ausstellung, die dem, wie man das heute so nennt, „Jahresregenten“ – dem Prinzen Eugen, vor 350 Jahren am 18. Oktober 1663 in Paris geboren, gewidmet ist. Prächtige Räume, die auch von deren späteren Besitzer/innen Maria Theresia und Franz Stephan genutzt und später von Franz Josef als Ausbildungsstätte für seinen Soldaten umgewidmet wurden. Möbel, Bilder und Kunstgegenstände kamen damit in andere Schösser oder Depots. Die peinlich genauen Aufzeichnungen der damaligen Beamten halfen mit, vieles davon, inzwischen verstreut über die Botschaften und andere Orte in der ganzen Welt, nach ihrer Restaurierung an den Ort und die richtige Stelle zurück zu bringen.

Die Ausstellung bemüht sich ernsthaft um den Bezug zum Heute. Beispiel: eine gegenwärtige Maurerkelle und drei Billardkugeln, elegant in einer Vitrine präsentiert deuten auf Eugens Bau und -Billardleidenschaften hin, und werden durch die Art der Präsentation aus dem Alltag zu kostbaren Artefakten erhoben. Beeindruckt haben mich die herrlichen Stoffe und Tapeten, die genau wie die chinesischen und indischen Originale wiederhergestellt worden waren.

Nach der Ausstellung zunächst der Blick und dann der Weg in den Garten, hinein in das „Bild“,  unbeschreiblich stimmungsvoll und schön. Wie im Original von Canaletto arbeiteten Gärtner, die Damen in den Reifröcken und die Herren mit den Dreispitzen scheinen sich gerade versteckt zu haben, treten aber, gelegentlich großer „Barockfeste“ tatsächlich hier manchmal auf. Teiche und Brunnen beleben das Gesamtkunstwerk, Broderiebeete, Bäume, Wiesen mit besonderen Nutztierrassen, ein weißer Pfau u.v.a.m. belebt das „Bild“. Der Blick geht in eine weite Landschaft und die Harmonie von Architektur, Gärten und Landschaft ist einzigartig, auch weil im flachen Marchfeld der Platz groß und der Himmel weit ist..

Ich war ganz alleine, keine weiteren Besucher/innen und das machte dieses Erlebnis auch zu einem besonderen.

Ob die Suche nach einem Gasthaus anschließend erfolgreicher gewesen wäre als damals mit meinen Eltern, das weiß ich nicht, nahm ich doch erst wieder zurückgekehrt in der Nähe des Archäologischen Museums einen kleinen, aber feinen Imbiss im Cafe Riedmüller in Deutsch- Altenburg ein.

 *das schon vorher existierte und danach von Franz Anton Hillebrand erweitert und aufgestockt wurde

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