Tintenblau Blog

Mein Museumsflow

16.06.2013
von Margarete Kowall

Ich wurde von der Stadtgemeinde Hainfeld beauftragt, als Kuratorin für das derzeit in Planung befindliche Hainfelder Stadtmuseum in Kombination mit dem Viktor-Adler-Museum ein inhaltliches Konzept zu entwickeln. Meine tintenblaue Gefährtin Alexandra wird dabei verschiedene Koordinationsaufgaben und das Marketing übernehmen. Beide Museen werden zusammen mit dem bereits bestehenden Museum Historischer Bierkrüge im alten Gericht, dem ältesten Gebäude der Stadt Hainfeld, untergebracht. Die Eröffnung soll im Laufe des Jahres 2014 stattfinden. In diesem Jahr wird auch das 125-jährige Jubiläum des Hainfelder Einigungsparteitages gefeiert. Anlässlich eines Treffens mit Altbürgermeister und Gemeindearchivar Karl Jägersberger konnten nun zahlreiche Ideen konkretisiert werden. Von diesem Arbeitsmeeting handelt der folgende Text.

Jetzt ist er da! Jetzt hat es eingeschlagen! Endlich habe ich den Biss. Endlich weiß ich nun, nach langem eher ein bisschen rat- und lustlosem Lesen, Recherchieren, Sammeln, Denken, Schreiben, wie wir es angehen werden! Die Arbeit am Museum ist nun in eine weitere wichtige Phase getreten. Denn wir haben unser Konzept gestern in groben Zügen verändert und es dadurch der Durchführbarkeit näher gebracht. Was haben wir bei der Sitzung gestern geredet, hitzig diskutiert, phantasiert, Gedanken hin und hergeschoben, Tatsachen aufgezählt, Möglichkeiten unter die Lupe genommen, uns gegenseitig auch wieder heruntergeholt von allzu kühnen Vorstellungen, viel gelacht und auch wieder ganz ernst und konzentriert gesprochen. Die Ideen kamen direkt, als würden sie uns von irgendwo eingegeben, wir sprühten geradezu und die Gedankenblitze konnte man fast schon leuchten sehen. Es war eine Freude!

Nur zu dritt, der Archivar des städtischen Archives, meine „Tintenblau“- Kollegin und ich. Wir haben dabei einen Weg, einen Einstieg in und ein Ziel für unsere Arbeit gefunden. Wir waren glücklich und kühn und inspirierten uns gegenseitig. Dabei entwickelte sich eine kameradschaftliche Verbundenheit, wie sie Menschen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen, verspüren.

Karl´s Frau versorgte uns liebevoll mit Broten, würzigen Aufstrichen, duftigen Kardinalschnitten und steirischem Wein – alles vom Feinsten. Wenn es stimmt, dass in griechischen Symposien der pure Wein die Männer zu besonderen Gedanken beflügelt hatte, so tat das bei uns zumindest die Aussicht auf diesen, den wir dann erst in der letzten Phase und als Belohnung für getane Arbeit tranken.

Und so vom gestrigen abendlichen Arbeitsgespräch beflügelt und noch nicht einmal das Protokoll in Händen haltend, treibt es mich schon in aller Herrgottsfrühe zu meinem Arbeitsplatz, um endlich zu beginnen. Dabei spüre ich schon von Anbeginn diesen „Flow“, die Freude auf die Versenkung in Arbeit. Ich weiß, dass wird nicht immer so sein. Manchmal werde ich mich zwingen müssen, manchmal wird es Rückschläge geben. Der Arbeitsdruck wird mich oft sehr erschöpfen. Aber das Ziel, das ich vor Augen habe, das Produkt eines fertigen Museums, das ist es, was mich weiter an meinem Arbeitsplatz halten wird, und sei es auch ganze Nächte lang.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,…“ Ja, da hat er schon recht, der Hesse, und diesen Zauber wünsche ich mir, und dass er so lange wie möglich anhält und das Werk gedeihen lässt.

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